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Zur Zeit findet in Berlin ein Sozialabbau in einem
Ausmaß statt, das die Stadt bisher nicht kannte.
Die Schuldensituation ist erdrückend: Das Land Berlin hat Gesamtschulden in Höhe
von 50 Milliarden Euro, die jährlichen Ausgaben liegen 6,3 Mrd. Euro über den
jährlichen Einnahmen. Die Zinslast beträgt 3,4 Mrd. Euro jährlich. Allein die
Ausgaben, zu denen das Land Berlin gesetzlich verpflichtet ist, überschreiten die
Einnahmen beträchtlich.
Die von verschiedenen linken Gruppen vorgeschlagenen Konzepte kommunale
Einkommenssteuer oder Auflösung der Bankgesellschaft Berlin können die
Haushaltskrise nicht lösen. Nur durch die Heranziehung des gesellschaftlichen
Reichtums wird eine Verbesserung der verheerenden Haushaltssituation möglich.
Eine solche Politik ist auf Landesebene aufgrund der rechtlichen Situation nicht
durchführbar, hier ist die Bundesebene gefragt. Zu fordern ist: Veränderung der
Steuerpolitik in der Bundesrepublik hin zu einer Politik, die effektiv den privat
angeeigneten gesellschaftlichen Reichtum abschöpft und von „oben“ nach „unten“
umverteilt.
Dennoch kann von einem rot-roten Senat und insbesondere der PDS auch unter
diesen Bedingungen eine andere Politik verfolgt werden. Auf Bundesebene gälte es,
sich beispielsweise für die Forderung nach einer Vermögenssteuer, der Erhöhung
der Erbschaftssteuer und höhere Besteuerung von Unternehmensgewinnen
einzusetzen. Doch auch auf Berliner Ebene hätte der Senat Spielraum für linke
Politik: Zum einen gibt es Politiken, die kostenneutral wären, aber dennoch geeignet,
ein linkes Profil dieser Regierung zu zeigen. Die wenigen positiven Beispiele, wie die
überfällige Wiederverleihung der Ehrenbürgerwürde an den ersten
Stadtkommandanten von Berlin, Nikolai Bersarin, oder auch Wohnungsunterbringung
und Bargeldauszahlung für die vom Land Berlin versorgten Flüchtlinge müssen und
können durch weitere Schritte ergänzt werden. Denkbar wären: die Einführung der
längst vereinbarten Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte bei geschlossenen
Einsätzen, die Ablehnung öffentlicher Gelöbnisse, Schritte in Richtung der
Drogenlegalisierung.
Skandalös
ist jedoch, dass die Politik des Senats durch Kürzungen, die einfach unerträglich
sind, gekennzeichnet ist. Zu nennen sind hier vor allem der rechtswidrige
Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag, mit dem sich der Senat zum Vorreiter
neoliberaler Politik gemacht hat und der Versuch, dass Sozialticket abzuschaffen,
wodurch der Senat den Schwächsten der Schwachen noch die Grundlagen
zum Überleben wegkürzt. Im Bildungsbereich wurden die KiTa-Gebühren erhöht
und 75 Mio Euro Kürzungen an den Hochschulen durchgedrückt.
Diese Kürzungen sind in ihren
konkreten Auswirkungen verheerend, viel schlimmer ist jedoch die
politische Botschaft, die von dieser Politik ausgeht: TINA1
– Es gibt
keine Alternative zur neoliberalen Politik, nicht mal die Linke hat eine.
Die Ausweitung der Videoüberwachung in öffentlichen Räumen zeigt, dass auch
unabhängig von Kostenüberlegungen neoliberale Politik von der PDS mitgetragen
wird.
Die Aufgabe von JungdemokratInnen/Junge Linke als linker parteiunabhängiger
Jugendverband besteht in dieser Situation darin, die Proteste in Berlin nach Kräften
zu unterstützen, die Vernetzung der verschiedenen von Kürzungen betroffenen
Gruppen voranzutreiben und linke Alternativen zur herrschenden Politik aufzuzeigen.
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JungdemokratInnen/Junge Linke fordern:
- Keine Kürzungen in den Bereichen Bildung, Jugend, Soziales und
Kultur! Rücknahme der schon beschlossenen Kürzungen in diesen Bereichen,
insbesondere sofortige Wiedereinführung des Sozialtickets zum Preis von
10 € und Wiedereintritt des Landes Berlin in den Verband öffentlicher
Arbeitgeber!
- Eine Bundesratsinitiative des rot-roten Senats für die
Wiedereinführung einer Vermögenssteuer, wie im Koalitionsvertrag
festgehalten!
- Gemeinsamer Widerstand aller von Kürzungen
betroffener Gruppen!
1TINA - there is no
alternative
Beschluss der ersten Landeskonferenz 2004 der JD/JL
Berlin
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