4: Noten abschaffen, Schule demokratisieren!

 

Die LiSA ist die SchülerInnengruppe von JungdemokratInnen/ Junge Linke Berlin. Wir – das sind SchülerInnen und an Schulpolitik Interessierte – setzen uns mit bildungspolitischen Themen auseinander und betrachten diese in ihrem gesellschaftlichen Kontext.
Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit weiteren politischen Themen wie beispielsweise Antimilitarismus oder Antirassismus.

Warum?
Aus unserer Sicht ermöglicht Bildung jedem Individuum an gesellschaftlichen Prozessen teilzuhaben. Sie ist somit Ausgang für Emanzipation und Fortschritt sowie eine wichtige Grundlage für die Existenz einer Gesellschaft. Eine bedeutende Rolle nehmen hierbei Schulen ein. In Schulen spiegeln sich gesellschaftliche Verhältnisse wider und werden reproduziert, deswegen haben Veränderungen im Schulsystem auch Auswirkungen auf die Gesellschaft. 
Mit unserer Kritik an der in Schulen herrschenden Autorität und fehlenden Demokratie stellen wir auch gesellschaftliche Verhältnisse in Frage.

Schulkritik
Der derzeitige Unterricht zeichnet sich durch vorgeschriebene Stunden- und Rahmenpläne aus. SchülerInnen können keinen Einfluss darauf nehmen, was, wie und wann sie lernen. Gleichberechtigung und Demokratie sind in Schulen zwar Gegenstand des Unterrichts aber gelebt werden beide nicht. SchülerInnen haben kaum Möglichkeiten, dem Alltagsterror im Unterricht zu entgehen. In Schulen wird Selektion betrieben und der Konkurrenzkampf trainiert.
Die Selektion ist dem Schulsystem durch seine Mehrgliedrigkeit immanent. Nach der 6. Klasse wird durch die Einteilung in einen der Schultypen festgelegt, wer später einen gut bezahlten und anerkannten Beruf ausüben darf und wer nicht. So werden gesellschaftliche Hierarchien bereits in der Schule produziert und verfestigt. Dieses System nimmt keinerlei Rücksicht auf die individuellen Entwicklungsprozesse von SchülerInnen. Wir gehen nicht davon aus, dass es begabte und weniger begabte SchülerInnen gibt und fordern deshalb die Abschaffung der mehrgliedrigen Schulsystems zugunsten eines einzigen Schultyps ohne jegliche Selektion.
Selektion wird darüber hinaus durch Noten betrieben. Noten sind aus Sicht der LiSA ein willkürliches Instrument zur Gängelung von SchülerInnen. Von ihnen hängt ab, welchen Schulabschluss man bekommt; so werden mit den Zensuren auch die Lebenschancen vergeben. Noten sind – entgegen des Dogmas – nicht objektiv. Die Noten, die man bekommt sind abhängig von dem/der LehrerIn, der/die sie gibt. Damit wird das Abhängigkeitsverhältnis zwischen SchülerInnen und LehrerInnen verfestigt. Weiterhin dienen Noten zur Sozialdisziplinierung von SchülerInnen: Wer zu spät kommt, den Unterricht “stört” oder die Hausaufgaben nicht macht, muss mit schlechten Noten rechnen. Die Bewertung erzwingt somit Anpassung und Gehorsam; sie sichert die Autorität der Lehrperson ab. Noten sorgen dafür, dass SchülerInnen sich nicht mit den Themen beschäftigen, die sie interessieren, sondern mit dem, was verlangt wird. Als LiSA fordern wir die Abschaffung von Noten und allen Bewertungssystemen, damit selbstbestimmtes Lernen möglich wird.
Neben der in Schulen betriebenen Selektion zeichnen sich Schulen dadurch aus, dass sie ein demokratiefreier Raum sind. Undemokratisch sind sie zum einen, weil SchülerInnen in allen Entscheidungsgremien – wenn überhaupt – unterrepräsentiert sind. Zum anderen weil diese Gremien gegenüber der Schulleitung nur geringfügige Rechte haben und nicht über Lernformen und Unterrichtsinhalte sowie die Wahl der Schulleitung entscheiden können. Aus unserer Sicht müssen diese Entscheidungen von einer Schulkonferenz gefällt werden, in der VertreterInnen aller am Schulleben Beteiligten gemäß ihres prozentualen Anteils an der Schulbevölkerung vertreten sein müssen. Weiterhin kämpfen wir für die Rechte von SchülerInnenvertretungen, dies beinhaltet neben den oben genannten Mitbestimmungsrechten auch ein politisches Mandat für SVen.
Da wir Bildung als Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe und Basis der Persönlichkeitsentwicklung betrachten, ist es unabdingbar, dass der Zugang zu Schulen und Universitäten kostenlos ist. Als LiSA sprechen wir uns damit klar gegen Privatisierungstendenzen im Bildungssektor aus.

Radikaldemokratisch, emanzipatorisch & parteiunabhängig
JungdemokratInnen/Junge Linke, zu denen die LiSA gehört, sind ein parteiunabhängiger politischer Jugendverband mit radikaldemokratischem und emanzipatorischem Selbstverständnis. JungdemokratInnen/Junge Linke setzen sich ein für die Emanzipation des Einzelnen und für gesellschaftlichen Verhältnisse, die Selbstbestimmung umfassend ermöglichen. JungdemokratInnen/Junge Linke sehen keine Möglichkeit, allein über Parlamente und Parteien tief greifende demokratische Veränderungen zu bewirken. Parlamente sind nach Ansicht der JungdemokratInnen/Junge Linke zwar demokratische Errungenschaften, doch ihr tatsächlicher Einfluss ist begrenzt.
JungdemokratInnen/Junge Linke verstehen sich als Selbstorganisation von Jugendlichen. „Jugendpolitik“ bedeutet für uns Politik von Jugendlichen, die sich für politische Ziele organisieren und gemeinsam engagieren. Wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir unsere Interessen selbst in die Hand nehmen und damit der Entmündigung, die Jugendliche tagtäglich in dieser Gesellschaft erleben, entgegentreten.

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Seite erstellt am: 08.07.99 | last modified:


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