3: Schule verändern - SchülerInnen vertreten

 

SchülerInnenvertretung bringt in ihrer bestehenden Form leider nur wenig. Denn unsere Schulen sind demokratiefreie Räume. Die Mitbestimmungsmöglichkeiten der SV-VertreterInnen sind stark eingeschränkt und SchülerInnenvertretungen ist es nicht erlaubt, zu allgemeinpolitischen Themen (z.B. Kriegsdienstverweigerung oder Sozialabbau) Stellung zu nehmen. Das bedeutet, die Tätigkeit der meisten SchülerInnenvertretungen beschränkt sich auf die Organisation von Schulfesten und Schulhofgestaltung. Dennoch macht es Sinn, in SVen zu arbeiten. Alljährlich findet in den Schulen das gleiche Schauspiel statt: SchülerInnen lassen sich mit viel Elan in SVen wählen. Doch bald müssen sie feststellen, dass ihr Einfluss minimal ist. Ebenso verhält es sich in den BezirksschülerInnenausschüssen oder der LandesschülerInnenvertretung.

Demokratische Spielregeln, wie sie uns im PW- oder Geschichtsunterricht eingepaukt werden, gelten nicht für SchülerInnen. In den relevanten Gremien an der Schule sind SchülerInnen immer in der Minderheit oder überhaupt nicht vertreten. Wenn SchülerInnen dennoch für ihre eigenen Interessen den Mund aufmachen, werden sie nicht selten über Noten, Tadel und Amtserhebung durch LehrerInnen, Schulleitung und Behörden zensiert und diszipliniert.
Politisches Engagement soll an die Schulpolitik gefesselt werden, gerade so, als wäre die Schule von der restlichen Gesellschaft losgelöst. Schule und Gesellschaft können aber nicht voneinander getrennt betrachtet werden. Die schulischen Missstände haben gesellschaftliche Ursachen und die Schule erfüllt in unserer Gesellschaft eine wichtige Funktion. Der Staat bestimmt, was wichtige Lerninhalte sind. Und ohne schulische Disziplinierung hätten viele Autoritäten im späteren Arbeitsleben kein so leichtes Spiel.

SchülerInnenvertretung ist dennoch wichtig
Gerade heute ist die Arbeit in SchülerInnenvertretungen dennoch wichtig. Die Jahre der Schulreformen und der damit verbundenen Verbesserungen des Schulalltages sind vorbei. Die Regierung ist kräftig beim Bildungs- und Sozialabbau. Wir können die bestehenden Strukturen der SchülerInnenvertretungen nutzen, um diese Politik zu stoppen oder mindestens zu bremsen. Aber die Leute, die in SVen arbeiten sollten sich selbst als Bestandteil einer Sandkastendemokratie entlarven. Sie müssen für die Erweiterung ihrer Handlungsspielräume kämpfen und gleichzeitig aufzeigen, dass die Schule nur einer von vielen Orten in unserer Gesellschaft ist, der nicht demokratisch organisiert ist. Das “politische Mandat”, also dass sich SchülerInnen zu allen Themen äußern dürfen, muss ebenso erkämpft werden, wie die finanzielle Absicherung von SchülerInnenvertretungen und völlige Mitbestimmung bei allen wichtigen Fragen in der Schule. Aber auch neue Lernformen, die ein selbstbestimmtes Leben fördern, sollten von SchülerInnenvertretungen diskutiert werden. Dies heißt zum einen, für eine Schule zu kämpfen, in der man nach den eigenen Interessen und Wünschen lernen kann, und zum anderen, für eine Gesellschaft zu streiten, die nicht auf Konkurrenzdruck und Leistungsdenken basiert. Durch unsere Arbeit in SchülerInnenvertretungen können wir dazu beitragen, dass einmal die Verhältnisse geschaffen werden, die wirkliche SchülerInnenvertretungsarbeit ermöglichen. Für eine demokratische Schule in einer demokratischen Gesellschaft.

Robert und Carsten

zurück  |  Inhalt  |  vorwärts






Seite erstellt am: 08.07.99 | last modified:


Redaktion: JungdemokratINNen/Junge Linke Berlin  |  Design und Administration: Webmaster
© 1999