SchülerInnenvertretung bringt in ihrer bestehenden Form leider nur
wenig. Denn unsere Schulen sind demokratiefreie Räume. Die
Mitbestimmungsmöglichkeiten der SV-VertreterInnen sind stark eingeschränkt
und SchülerInnenvertretungen ist es nicht erlaubt, zu allgemeinpolitischen
Themen (z.B. Kriegsdienstverweigerung oder Sozialabbau) Stellung zu
nehmen. Das bedeutet, die Tätigkeit der meisten SchülerInnenvertretungen
beschränkt sich auf die Organisation von Schulfesten und
Schulhofgestaltung. Dennoch macht es Sinn, in SVen zu arbeiten.
Alljährlich findet in den Schulen das gleiche Schauspiel statt:
SchülerInnen lassen sich mit viel Elan in SVen wählen. Doch bald müssen
sie feststellen, dass ihr Einfluss minimal ist. Ebenso verhält es sich in
den BezirksschülerInnenausschüssen oder der
LandesschülerInnenvertretung.
Demokratische Spielregeln, wie sie uns im PW- oder Geschichtsunterricht
eingepaukt werden, gelten nicht für SchülerInnen. In den relevanten
Gremien an der Schule sind SchülerInnen immer in der Minderheit oder
überhaupt nicht vertreten. Wenn SchülerInnen dennoch für ihre eigenen
Interessen den Mund aufmachen, werden sie nicht selten über Noten, Tadel
und Amtserhebung durch LehrerInnen, Schulleitung und Behörden zensiert und
diszipliniert.
Politisches Engagement soll an die
Schulpolitik gefesselt werden, gerade so, als wäre die Schule von der
restlichen Gesellschaft losgelöst. Schule und Gesellschaft können aber
nicht voneinander getrennt betrachtet werden. Die schulischen Missstände
haben gesellschaftliche Ursachen und die Schule erfüllt in unserer
Gesellschaft eine wichtige Funktion. Der Staat bestimmt, was wichtige
Lerninhalte sind. Und ohne schulische Disziplinierung hätten viele
Autoritäten im späteren Arbeitsleben kein so leichtes Spiel.
SchülerInnenvertretung ist dennoch wichtig
Gerade heute ist die Arbeit in
SchülerInnenvertretungen dennoch wichtig. Die Jahre der Schulreformen und
der damit verbundenen Verbesserungen des Schulalltages sind vorbei. Die
Regierung ist kräftig beim Bildungs- und Sozialabbau. Wir können die
bestehenden Strukturen der SchülerInnenvertretungen nutzen, um diese
Politik zu stoppen oder mindestens zu bremsen. Aber die Leute, die in SVen
arbeiten sollten sich selbst als Bestandteil einer Sandkastendemokratie
entlarven. Sie müssen für die Erweiterung ihrer Handlungsspielräume
kämpfen und gleichzeitig aufzeigen, dass die Schule nur einer von vielen
Orten in unserer Gesellschaft ist, der nicht demokratisch organisiert ist.
Das “politische Mandat”, also dass sich SchülerInnen zu allen Themen
äußern dürfen, muss ebenso erkämpft werden, wie die finanzielle
Absicherung von SchülerInnenvertretungen und völlige Mitbestimmung bei
allen wichtigen Fragen in der Schule. Aber auch neue Lernformen, die ein
selbstbestimmtes Leben fördern, sollten von SchülerInnenvertretungen
diskutiert werden. Dies heißt zum einen, für eine Schule zu kämpfen, in
der man nach den eigenen Interessen und Wünschen lernen kann, und zum
anderen, für eine Gesellschaft zu streiten, die nicht auf Konkurrenzdruck
und Leistungsdenken basiert. Durch unsere Arbeit in
SchülerInnenvertretungen können wir dazu beitragen, dass einmal die
Verhältnisse geschaffen werden, die wirkliche
SchülerInnenvertretungsarbeit ermöglichen. Für eine demokratische Schule
in einer demokratischen Gesellschaft.
Robert und Carsten
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